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überlebt

Ok, ich lebe, dann muss ich auch was tun. Gestern im Garten verausgabt, heute streiche ich den Zaun weiter. Fühle mich wie Tom Sawyer - Zaun streichen. Sonne scheint, obwohl Regen gemeldet war. Unzuverlässlich, aber gut. Und sie sah, dass es gut war... Es ist ja gar nicht so das Problem, dass ich nicht das Gute jeden Tag sehe. Schreiben Sie jeden Tag drei Dinge auf, die gut waren. Das habe ich alles schon zig mal mitgemacht und ja, es gibt tausend gute Sachen pro Tag. Schon mal aufgefallen? Schadet glaube ich niemandem, das mal zu machen. Aber. Und jeder Depressive hat ein Aber. Aber ich spüre es nicht mehr. Und das meine ich mit tot. Ich sehe die guten Sachen, ich höre die Liebeserklärung meines Mannes, ich sehe die vor Glück strahlenden Augen meiner Kinder, und trotzdem spüre ich nichts mehr. Ich lächele und erwidere und mache alles mit ihnen mit, aber die Traurigkeit obsiegt. Und dann der ewige Vorwurf: Wie kann eine Mutter sich umbringen wollen? Das krasseste war eine Ärztin, die wahrhaftig aufgesprungen ist und mich anschrie: "Eine gute Freundin von mir ist gerade verunglückt und hat drei kleine Kinder hinterlassen. Sie wissen ja gar nicht, was Sie Ihren Kindern da antun, die leiden ihr Leben lang. Was fällt Ihnen eigentlich ein?" Das hat mich furchtbar wütend gemacht, weil es meine Position schlichtweg ausgeblendet hat. Aber vielleicht darf ich als Mutter kleiner Kinder einfach keine solche Position haben, Krankheiten hin oder her. Vielleicht muss ich das einfach der Kinder wegen aushalten, jeden und jeden Tag aufs Neue das ewige Spiel des Lebens mitspielen, ich weiß es nicht. Es gibt tatsächlich Tage, da geht es. Auch ohne Überdosis meiner Tabletten. Ist sehr selten, aber sie gibt es. Da bin ich nicht glücklich, aber ich halte es aus, ohne "dysfunktionale" Skills. Dann möchte ich mich natürlich nicht umbringen. Aber es würde auch nicht schaden. In einem Gutachten steht drin, dass ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr in meinem Beruf arbeiten werde. Dass ich schon alle gängigen Therapieverfahren versucht hätte, daher sei die Prognose sehr schlecht. Dass die medikamentöse Behandlung nicht anschlagen würde, ich sei insoweit therapieresistent. Aber hey, ich soll Hoffnung haben. Und ja klar, jetzt fange ich, da ich gerade die letzte Klinikbehandlung mangels Verträglichkeit der Therapeuten in einem sich äusserst dramatisch zuspitzenden Finale wieder mal abgebrochen habe, noch eine ambulante Therapie an. Ich hatte bereits drei Sitzungen. Nein, vier. Es ging um den Umgang mit Hochanspannungsphasen. Klappt bei mir nicht, geht hast-du-nicht-gesehen steil hoch, von 0 auf 100, und bumm, zu spät. Soll so nicht sein, gibt Hilfsmittel. Die Stunde endete damit, dass die Therapeutin meinte, sie befände sich jetzt in einer Hochanspannungsphase und müsste jetzt mal sehen, wie sie da raus käme. Jahahaaa, ich darf große Hoffnung haben, dass sie die Richtige ist, die mir helfen kann. Immer positiv denken. Freu mich auf nächsten Dienstag, da ist die nächste Sitzung. Und sowas ist Oberärztin, ok. Hm, jetzt muss ich echt dranbleiben, das positive Denken entgleitet mir. Ooooooohm. Ach egal, ich geh jetzt Zaun streichen.
20.5.16 08:20
 
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